Basilikaorgel mit neuem Glaspfeifenregister

In den letzten Wochen wurde die Orgel der Basilika Waldsassen um ein ganz besonderes Register erweitert. Die neuen Pfeifen bestehen zum Großteil aus Glasröhren, die von der Firma SCHOTT aus der benachbarten Stadt Mitterteich zur Verfügung gestellt wurden. Die SCHOTT-Flöte, so wird das Register genannt, besticht durch einen sehr fülligen und warmen Klang, der den großen Raum der Basilika sehr gut zu füllen vermag.

Die Orgel in der Basilika Waldsassen ist um ein Register erweitert worden. Es besteht aus 49 Pfeifen aus Glas. Das Material lieferte ein renommiertes Unternehmen aus der Region.
Die Glasröhren sind im Orgelprospekt auf der Basilika-Empore verbaut. Für jede der 49 Pfeifen musste ein Holzfuß angefertigt werden.

Bild: Markus Bäumler/exb

Bild: Paul Zrenner

Eine Besonderheit bedeutet das neue Register aus Glasröhren: Damit ist das Klangbild der Orgel in der Basilika um einen voluminösen Flötenton erweitert worden. In den bestehenden Spieltisch wurde ein Wippschalter mit der Aufschrift „Schott-Flöte“ integriert.

Für den Einbau der Glasröhren mussten die beiden benachbarten Orgelregister ausgebaut und auf der Empore zwischengelagert werden – dort, wo sonst der Chor der Basilika bei der liturgischen Gestaltung von Gottesdiensten seinen Platz hat.

Bild: Paul Zrenner

Bild: Paul Zrenner

Im Orgelprospekt auf der Empore der Basilika Waldsassen ist das neue Register mit Schott-Glasröhren verbaut.

Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter an seinem Arbeitsplatz auf der Empore der Basilika Waldsassen

Bild: Paul Zrenner

Glasröhren aus Mitterteich bereichern Orgel in der Basilika Waldsassen

Um eine Attraktion reicher ist jetzt die Orgel in der Basilika Waldsassen: Das Hauptinstrument auf der Empore hat ein weiteres Register erhalten. Die Besonderheit sind die 49 Orgelpfeifen aus Glas. Die Röhren hat die Firma Schott in Mitterteich für den außergewöhnlichen Einsatz zur Verfügung gestellt.
„Register“ bedeutet, dass es für jeden Ton bzw. für jede Taste eine Orgelpfeife gleicher Bauart und mit gleicher Klangfarbe in verschiedenen Tonhöhen gibt. Die neue Glasflöte hat Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter diese Woche zum ersten Mal eingesetzt – bei der Gestaltung des Gottesdienstes am Dienstagmorgen.
Der Ton, der sich mit den Röhren erzeugen lässt, ist nicht etwa leise und wirkt zerbrechlich, wie das Material vermuten lassen könnte: „Schön, voluminös, einfach rund“, beschreibt Sagstetter den Klang des neuen Registers und spielt wenig später ein Stück, bei dem die „Schott-Flöte“, die Melodie übernimmt.

„Fantastisch“

„Ich war ganz begeistert, ich hätte mir das nicht so kräftig vorgestellt: Es klingt unten fantastisch.“ Mit „unten“ meint Sagstetter den Klangeffekt für die Zuhörenden im Kirchenraum. „So ein Register wird immer für unten intoniert und nicht für hier“, so der Kirchenmusiker am Spieltisch auf der Empore.
Orgelbauer Markus Bäumler aus Weiden übernahm die Aufgabe, das neue Register in die bestehende Anlage zu integrieren. „Er war sehr aufgeschlossen, weil das nicht etwas Alltägliches ist“, so Sagstetter über Bäumler. „Denn mit den Röhren alleine ist es ja nicht getan“, beschreibt der Kirchenmusiker den weiteren Aufwand, bis die Glas-Orgelpfeifen klingen konnten.

Zusätzlicher Schalter

Im Spieltisch ist ein Wippschalter eingefügt worden, mit dem sich die „Schott-Flöte“ aktivieren lässt. „Das war sehr aufwendig, weil der Spieltisch in diesem Bereich ausgebaut werden musste.“ Daneben musste die Elektronik angepasst werden, zudem galt es, die Glasröhren im Orgelgehäuse zu verbauen.
Für jede Röhre musste ein Holzfuß angefertigt werden: Es sei zu kompliziert, eine Orgelpfeife hundertprozentig aus Glas zu fertigen, erklärt Sagstetter. „Der Fuß läuft zusammen und das wäre ein riesiger Aufwand.“ Die kleineren Pfeifen mussten konstruktionsbedingt komplett aus Metall gebaut werden. „Das hat mit Glas nicht mehr funktioniert.“
Bei den Röhren handelt es sich um Schott-Produkte der Marke „Duran“. Das Glas zeichnet sich durch eine besondere Widerstandsfähigkeit und für den Einsatz unter extremen Bedingungen aus, informiert Schott-Pressesprecherin Stephanie Wenisch auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Speziell für den Einsatz in der Waldsassener Orgel hergestellt seien die Röhren aus der Serienfertigung. „Sie sind genau nach Liste auf die Länge gebracht worden.“

Besonderheit in der Region

Mit dem neuen Register hat die Katholische Kirchenstiftung einen lange gehegten Wunsch verwirklicht. Die Idee entstand schon vor vielen Jahren, als Sagstetter im Internet einen Beitrag über ein Register aus Glaspfeifen in einer Kirche in Jena las – und von einem Hörbeispiel begeistert war. „Ich habe mich gleich in diesen Klang verliebt.“
„Ich war wegen der Konzertreihe bei Schott in Mitterteich“, erinnert sich Sagstetter, Künstlerischer Leiter der Veranstaltungen in der Basilika, an ein Gespräch mit dem damaligen Standortleiter: Stefan Rosner war von der Idee angetan und signalisierte die Unterstützung des Unternehmens für ein ähnliches Projekt in der Basilika Waldsassen.
„Ein solches Register wäre auch für die Region etwas Besonderes“, so Sagstetter über seine Motivation. „Das hat mich nicht mehr losgelassen. Aber dann kam Corona dazwischen und es hat sich immer wieder verzögert.“ Vor gut zwei Jahren sei das Projekt dann noch einmal angepackt und nun verwirklicht worden.

Hintergrund:

Die neue Glasflöte für die Basilika-Orgel

  • Orgel in der Basilika Waldsassen umfasst nach Erweiterung 104 Register
  • Register mit der Bezeichnung „42a“ (Schott-Flöte) zählt 49 Pfeifen aus Schott-Duran-Glas und 11 aus Metall
  • Kosten rein für die technische Umsetzung im unteren fünfstelligen Bereich; Finanzierung über diverse Fördergeber

Die Orgel in der Basilika Waldsassen ist um ein Register erweitert worden. Es besteht aus 49 Pfeifen aus Glas.

Ungewöhnlich: Neue Orgelpfeifen aus Glas in Waldsassen

Vergleichbares gibt es nur einmal in Deutschland: Orgelpfeifen aus Glas. Ab sofort erklingen sie in der Waldsassener Basilika. Als Hommage an die Glasregion in der nördlichen Oberpfalz. Entwicklung und Einbau waren allerdings kompliziert.
Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am 02.10.2025 um 12:40 Uhr.
Die Auswahl ist groß, wenn Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter den Spieltisch der Orgel in der Basilika Waldsassen öffnet. Sechs Manuale, also Tastenreihen übereinander. Über hundert Register mit unterschiedlichen Klangfarben. Mehr als 7.700 Pfeifen hat die Waldsassener Orgel. Das i-Tüpfelchen ist nun ein neues Register mit 49 Pfeifen aus Glas. Der Kirchenmusiker hatte so etwas schon mal in Jena gesehen und konnte es sich gut auch für die Glasregion der nördlichen Oberpfalz vorstellen.

Statt Metall: Kombination aus Glas und Holz

Über zwei Jahre hat er zusammen mit dem Unternehmen Schott in Mitterteich, vor allem aber Orgelbaumeister Markus Bäumler aus Weiden getüftelt und experimentiert. Es sollte ein Flötenton sein, doch allein mit Glas funktioniert keine Orgelpfeife. Deshalb hat Markus Bäumler sie mit einer Unterkonstruktion aus Holz kombiniert. Der Werkstoff Glas war auch für ihn als Orgelbaumeister Neuland, denn Orgelpfeifen bestehen sonst aus Metall oder Holz. Gestimmt werden die Glasorgelpfeifen über einen Metallring, der oben an ihnen angebracht ist und verschoben werden kann.

Bildrechte: BR/Christoph Röder

Auf dem Spieltisch ist ein neuer Kippschalter eingebaut, mit dem Namen „SCHOTT-Flöte“. Damit kann das neue Register direkt angesteuert werden.

Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter an der Orgel in der Basilika Waldsassen

Bildrechte: BR/Christoph Röder

Bildrechte: BR

Orgelbaumeister Markus Bäumler aus Weiden hat über zwei Jahre an dem neuen Register für die Orgel getüftelt und experimentiert

Neues Register kann direkt angesteuert werden

Die zweite große Herausforderung für den Orgelbaumeister war der Platz. Über 7.700 Pfeifen hatte die Waldsassener Orgel bereits, verteilt im gesamten Kirchenraum der päpstlichen Basilika. Die kleinste der neu eingebauten Glaspfeifen ist gute sechs Zentimeter lang, die größte knapp zwei Meter. Auch auf dem Spieltisch ist ein neuer Kippschalter eingebaut worden, mit dem Namen „SCHOTT-Flöte“. Damit kann das neue Register direkt angesteuert werden.

Voluminöser, warmer Klang

Orgelbaumeister Markus Bäumler hat nun eine Klangsteigerung bei den Flöten-Registern geschaffen von „verhalten zart über kräftig bis solistisch stark“. Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter beschreibt den Sound als „sehr voluminös“, als „tragenden und warmen Klang“, der solistisch eingesetzt werden könne, aber auch im Gesamtklang eingefügt ein „ganz schönes Fundament“ ergebe, das „sehr präsent“ sei und die große Basilika ausfüllen könne. „So ein Register, das hat halt irgendwo noch ein bisschen gefehlt“, sagt der Waldsassener Kirchenmusikdirektor.